[Unterwegs] Literaturcamp Heidelberg 2018

Einmal kurz der Realität entkommen…

Ganz spontan wurde es mir in der Woche vor dem Barcamp ermöglicht, das Literaturcamp in Heidelberg doch noch besuchen zu können. Kurzfristig entschloss sich einer der Teilnehmer nicht am Spektakel teilzunehmen, ich nutzte diese Chance und wurde mit einem wundervollen Samstag belohnt. Den Sonntag musste ich leider kurzfristig ausfallen lassen, da mein Körper einfach Nö sagte. Über diese Entscheidung war ich wirklich traurig, aber manchmal muss man auch einfach auf den eigenen Körper hören.

Dafür war der LitCamp Samstag umso schöner!

Homemade Marmelade für alle!

Heidelberg erwartete uns am Samstag (16. Juni 2018) bei vollem Sonnenschein und bester Laune. Bereits auf dem Weg zum Dezernat 16 traf ich auf zwei weitere LitCamp Teilnehmer (darunter Daggi). Gemeinsam fanden wir dann auch zu dem Gelände, zu dem wir alle drei das erste Mal unterwegs waren, ohne größere Zwischenfälle. Im Innenhof stapelten sich bereits etliche Menschen, obwohl es offiziell noch gar nicht losging! Wie die Wilden stürmten die Leute hier ausnahmsweise nicht auf Bücher, sondern auf selbstgemachte Marmelade (by Teekesselchen) am Frühstückstisch.

Nachdem wir kurz am Check-In vorbeischauten, gab es erstmal eine Runde Erfrischungsgetränke, die genialerweise bereits im Preis enthalten waren. Generell lässt sich an dieser Stelle betonen, wie super das Preis-Leistungsverhältnis bei dieser Veranstaltung ist!

Babsi: Psycho oder was?

Meine allererste Session überhaupt war direkt eine der spannendsten. Babsi (BlueSiren) konnte uns auf Grund ihrer Erfahrung als Psychologin mehr zu diversen Krankheitsbildern erzählen & wie falsch Betroffene teils in der Literatur dargestellt oder über einen Kamm geschert werden. Besonders anschaulich wurde die Session dank mutiger Menschen, die offen über ihre eigenen Erfahrungen mit psychischen Krankheiten gesprochen haben. Für mich als Leser, die in letzter Zeit gerne englischsprachige Werke über Protagonisten mit Schizophrenie und anderem liest, war es umso spannender zu erfahren, was teils wirklich hinter solchen Bezeichnungen für Krankheiten steckt. Vom Gefühl her können besonders eben solche Autoren aus England/Amerika mit sensiblen Themen gut umgehen. Deutsche Werke lesen sich dagegen meist eher stolpernd. Schade!

Aus Autorensicht war die Session ebenfalls spannend, da Babsi knapp aber übersichtliche Überblicke geben konnte. Bei einem meiner eigenen Projekten (ha! Pausiert ja auch nur seit fast 2 Jahren..) werden auch Personen mit psychischen Problemen dargestellt. Die Session hat sich also in vielerlei Hinsicht gelohnt!

Nils: Podcasting 101

Nach einer kleinen Stärkung dank Küchenfee, ging es für Charline (Sternenbrise), Anna (Ink of Books) & mich ein paar Stockwerke in die Höhe. Denn in der Turnhalle hielt Nils (@Weltenkreuzer) eine Session zum Thema Podcasts. Zu dieser ging nicht nur aus eigenem Interesse, sondern auch, weil ich von dem großen Interesse meines Freundes (ihn kennt ihr bereits von seinen literarischen Empfehlungen) an Podcasts weiß. Ihr glaubt gar nicht was für ein gedankliches Mammutprojekt wenige Tage nach dem Literaturcamp während eines Gesprächs mit Leon und unserem Kumpel Nico (auch ihn kennt ihr bereits von seinen literarischen Empfehlungen) entstanden ist. Alles nur wegen dieser einen informativen Session!

Gerade die Basic Informationen waren für mich teils überraschend einfach. Nie hätte ich vermutet, dass man bereits mit wenig Aufwand (sowohl zeitlich, als auch ökonomisch) seinen eigenen Podcast entwickeln kann. Aber gerade dieser Umstand könnte Grund dafür sein, dass derzeit so viele Podcasts aus dem Boden sprießen. Da bietet es sich geradezu an auf diesem Weg direkt mal Werbung für zwei Podcasts zu machen, auf die ich in den letzten Monaten durch mir bekannte Blogger gestoßen bin:

24 Chances von Tasmin (Travel Potatoes und Tasmetu).

Wirre Waffeln von Juliane (I am Jane) samt Freund Timo.

Verloren im Genrewald


Zur Erfrischung ging es für uns dann endlich ins kühle Nass. Genauer gesagt zur Poolsession von Biana, äh, Bianca (Literatouristin)!

Dort beschäftigten wir uns dann näher mit den diversen Genres und Sugbenres, die es da draußen in freier Wildbahn gibt. Da kann man nämlich schnell mal den Überblick verlieren, den Bianca versucht hat uns zurückzugeben. Gemeinsam diskutierten wir über dieses und jenes Genre (hoben zwischenzeitlich unbescholtene Kinderohren zu) und auf welche Arten und Weisen man Genres miteinander kreuzen kann. In unserer Fantasie entstanden hierbei ganz schön zwielichtige Bücher!

Am Ende spekulierten wir dann auch noch über das Phänomen, wenn (neue) Genres bzw. Subgenres für einen gewissen Zeitrtaum in den Fokus der großen Massen rücken. Wohl allen bekannt sind die in den vergangenen zehn Jahren vorherrschenden Vampirbücher (ausgelöst dank Twilight), gefolgt von der Dystopien-Welle (mit Werken wie Tribute von Panem, Maze Runner, usw.). Unser heißer Favorit für den nächsten großen Hit unter den Genres war/ist übrigens Steampunk.

Emotionaler Missbrauch als Love Trope

Eine Session mit brisantem Thema hielt Rachel, die näher auf den leider immer regelmäßiger auftauchenden Rollenbild in der Literatur. Wer kennt ihn nicht, den gutaussehenden Bad Boy mit dem guten Kern (gaaaaanz Tief drin!). Dass daran aber so viel falsch ist, wird viel zu oft übersehen. Stattdessen werden solche Figurenkonstellationen scheinbar von Autoren, Verlagen und Lesern weiter befürwortet. In der Bloggerszene herrscht – Gott sei Dank – dennoch immer häufiger Kritik an solchen Darstellungen einer (romantischen) Beziehung.


Rachel hat ihre Session selbst in Textform verarbeitet, was es allen Daheimgebliebenen nun umso einfacher macht, den Vortrag im Nachhinein nachlesen zu können. Denn das Thema bleibt hochaktuell. Soweit ich weiß, werden auch die Livestream-Aufnahmen des Literaturcamp 2018 in naher Zukunft online zugänglich sein, auch hier könnt ihr diese Session dann finden.

Litcamp18: Buchmenschen stoßen auf geheime Bier-Ader

Während eben dieser Session tauchten auf Twitter plötzlich mysteriöse Bilder von Menschen mit Bier in der Hand auf. Schnell waren die Betroffenen identifiziert: Anna, Anabelle (Stehlblüten) und Saskia (Who is Kafka) saßen samt Bier in der Session! Gott sei Dank erwiesen Charline und ich uns schnell als würdige Mitwissende, sodass uns die Engel Anabelle und Saskia in das Geheimnis des Bier-Verstecks einweihten. Bereits wenige Minuten nach der Session saßen wir also alle gemeinsam mit einem Bier in der Hand beisammen und genossen die fünf Minuten Pause sichtlich.

Im Literaturcamp geht es heiß her! Oder auch: #LitCampUndSex

Mein absolutes Highlight an diesem Tag war dann meine Abschlusssession mit Heiko und Daniela (@tee_kesselchen). Hier konnte man nicht nur mit Geschlechtskrankheiten kuscheln, sondern auch gleich noch den passenden Schutz im Einhorn-Design ergattern.


Die Session zeigte anschaulich, dass man mit einer offenen Einstellung in lockerer Atmosphäre über intime Dinge sprechen kann. Denn über Sex etc. zu reden, sich zu informieren, ist immens wichtig, gerade für junge – noch unerfahrenere – Menschen. Aber auch im Alter lernt man bei diesen Themen nie aus. Gerade weil es so wichtige Themen wie den Schutz vor Geschlechtskrankheiten gibt, ist es umso bedenklicher, wie selten solche Aktionen in der Literatur näher erläutert oder gar erwähnt werden. Wie verhüten unsere Lieblingsprotas? Wir wissen es schlichtweg nicht, obwohl es gerade für junge Leser ein so wichtiges Zeichen sein könnte.

Fazit

Sollte man meine Begeisterung bis hierher noch nicht raus gelesen haben, dann möchte ich das an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich tun:

ES WAR GRANDIOS, LEUTE!

Ich habe mich an dem Samstag so wohl gefühlt zwischen all den Menschen. Jeder wird hier herzlich aufgenommen und darf sich auch stets zurückziehen, wenn jemand fünf Minuten für sich braucht. Außerdem ist es (immer wieder) so wundervoll Personen mit denen man in sozialen Medien vernetzt ist, auch in der Realität kennenlernen zu dürfen.

Anna (Ink of Books), Kaddy (Kaddy_KD) und ich am Slushi schlürfen.
Anna (Ink of Books), Kaddy (Kaddy_KD) und ich am Slushi schlürfen.                                   © Foto: Valentin Bachem, CC-BY-SA 2.0

 

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