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    [Buchmesse 2019] Nachhaltigkeit in der Buchbranche

    Auf der Buchmesse gibt es nicht nur schöne Bücher und tolle AutorInnen zu treffen, sondern auch thematisch spannende Veranstaltungen. Eine davon besuchte ich gemeinsam mit Anna am Messe-Donnerstag. Im Fokus stand das Thema „Nachhaltigkeit in der Buchproduktion“ und wurde von Leander Wattig (Orbanism) moderiert. Für seine interessante Gesprächsrunde lud er sich Ernst Gugler (Gugler GmbH, Geschäftsführer), Markus Hatzer (Löwenzahn Verlag, Verleger), Dr. Nadja Kneissler (Delius Klasing Verlag GmbH, Verlagsleitung Buch) und Stefanie Langner (S. Fischer Verlag GmbH, Herstellungsleiterin) ein. Anzumerken ist bereits vorab, dass alle drei repräsentierte Verlage mit der Druckerei Gugler in der Vergangenheit schon gemeinsame Projekte realisiert haben.

    v.l.n.r.: Leander Wattig, Stefanie Langner, Markus Hatzer, Ernst Gugler, Nadja Kneissler

    Das Cradle-to-cradle Konzept

    Besonders im Mittelpunkt des Gesprächs stand das von Chemiker Michael Braungart entwickelte Cradle-to-cradle Konzept, welches auch in der Buchproduktion angewandt werden kann. Wie ich bemerkte, wussten einige der Zuschauer bislang noch nicht, was sich hinter dem von Herrn Gruber erklärtem Begriff verbirgt.

    Grob übersetzt bedeudet Cradle-to-cradle „von der Wiege in die Wiege“. Ohne weiteren Kontext kann man aber auch damit wenig anfangen. Gemeint ist schlicht, dass in einem Kreislauf produziert werden soll. Sprich aus den entstehenden Produkten kann später etwas neues entstehen. Das Verfahren steht somit dem bislang viel zu verbreitetem Verfahren Cradle-to-grave (engl.: „von der Wiege ins Grab“) entgegen. Ganz offensichtlich ist das Cradle-to-cradle Verfahren also eine gute Möglichkeit Nachhaltig zu produzieren.

    Cradle-to-cradle in der Buchproduktion

    Die Buchbranche fängt langsam an, sich nach nachhaltigeren Verfahren umzuschauen. Gute Beispiel für gelungene erste Schritte sind der Löwenzahn Verlag, S. Fischer Verlag sowie Delius Klasing Verlag. Während der Löwenzahn Verlag bereits ausschließlich auf das C-to-c verfahren umgesattelt hat, sind es bei den beiden anderen Verlagen erste Projekte. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass es von Verlag zu Verlag unterschiedlich leicht ist seine kompletten Strukturen zu ändern. Umso wichtiger ist es, dass auch größere Verlage, die Teil einer ganzen Mediengruppe sind, erste Schritte gehen. Denn auch das wurde zurecht betont, der Weg ist das Ziel.

    Ein aktuelles Beispiel

    Spannend fand ich hierbei, wie die Verlage davon berichteten, was es für die Unternehmen derzeit bedeutet nachhaltig zu produzieren. Der Delius Klasing Verlag veröffentlichte ausgehend von einer Eigeninitiative gemeinsam mit der Fridays for Future Bewegung ein Buch über selbige. Zunächst lehnte die Bewegung ab, schließlich druckte der Verlag bislang nicht nachhaltig. Doch genau das ist doch der Punkt heutzutage. Es hilft nicht, nur mit bereits top informierten & vorweg gehenden Unternehmen zu arbeiten. Es sind die mit Interesse am Wandel, denen durch die benötigte Expertise ein nachhaltiger Weg aufgezeigt werden kann. So konnte schließlich auch der Delius Klasing Verlag die Bewegung für sich gewinnen & ein nachhaltiges Buch veröffentlichen. Wir erinnern uns: der Weg ist das Ziel.

    Eine Frage des Geldes?

    Grob gesagt war die Buchproduktion für das Friday for Future Buch etwa 50ct pro Buch teurer, als für den Verlag in gleicher Auflage sonst üblich. An dieser Stelle wies Herr Gugler daraufhin, dass diese erhöhten Preise eine Frage der Zeit, genauer gesagt der Bereitschaft der Verlage ist. Je mehr Unternehmen sich entschließen im Cradle-to-cradle Verfahren zu drucken, umso preiswerter wird dies werden. Frau Langner vom S. Fischer Verlag stellte hier einen guten Vergleich her: vor 10 Jahren galt das fsc-Zertifikat als teuer und den Großen vorbehalten. Heute gilt es als Standard.

    Was wünscht sich die Buchbranche?

    Nicht nur Leser und Verlage beschäftigen sich nach und nach mit dem Thema Nachhaltigkeit. Die vertretenen Verlage berichten auch von einer hohen Nachfrage auf Seiten der AutorInnen. Immer mehr hinterfragen die Produktion der eigenen Bücher und fordern Veränderung.

    Die Gäste betonen auch eine gewisse Schwierigkeit, die auf Seiten der Kollegen im Buchhandel liegt. Sie sind die direkten Ansprechpartner der Kunden und werden daher als erste mit Wünschen und Kritik angesprochen. Umso wichtiger ist die interne Kommunikation der Branche. Aus diesem Grund setzt sich auch der Börsenverein als Verband aktiv für seine Mitglieder ein. So ruft Nadja Kneissler (Vorsitzende des Verleger-Ausschusses) alle Beteiligten der Branche auf sich mit Fragen und Anregungen an den Verein zu wenden. Derzeit wird auch eine thematische Webseite als Informationsstelle eingerichtet.

    Fazit

    Egal ob großer oder kleiner Verlag, die Branche startet den Wandel. Natürlich sind manche Projekte bereits weiter als andere, aber umso wichtiger sind all die ersten Schritte. Die während der Veranstaltung anwesende Verlage zeigen: es ist möglich!


    Die in diesem Beitrag wiedergegebenen Äußerungen beruhen auf den Aussagen der Gäste, die ich mit wenigen Notizen festgehalten habe. Alles konnte ich natürlich nicht einbauen, aber für all jene, die nicht vor Ort sein konnten, ergibt sich so hoffentlich immerhin ein kleiner Überblick des Themas „Nachhaltigkeit in der Buchbranche“.